Das verloren gegangene Gefühl
Eine leise Erinnerung daran, wie unsere Verbindung zu Pferden beginnt – und wie wir sie wiederfinden können
Für die meisten von uns Pferdemenschen begann die Beziehung zu Pferden in unserer Kindheit.
Sie begann mit einem Gefühl.
Einem Gefühl, das in uns den Wunsch weckte, Pferden nah zu sein, mit ihnen zusammen zu sein, ihre Gegenwart zu spüren.
Für mich war dieses Gefühl Glück, gepaart mit einer tiefen Liebe.
Dieses Gefühl, dieses Liebesglück, wurzelt – so kann ich es heute erkennen – in dem kindlichen Erleben tiefer Verbundenheit mit diesem faszinierenden Lebewesen, das zugleich sanft und wild, kraftvoll und verletzlich ist.
Und in einem fast mystischen Staunen vor einer Schönheit, die eine leise Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens in uns weckt.
Bis heute berührt mich die bloße Gegenwart eines Pferdes auf eine Weise, die mich an etwas erinnert.
Und doch hatte ich im Laufe meiner Zeit auf Ponyhöfen und in Reitställen verlernt, mein Glück in diesem einfachen Sein mit Pferden zu finden.
Ich hatte das Wissen um dieses ursprüngliche Gefühl verloren.
Denn wenn wir als Kinder unsere Liebe zu den Pferden entdecken und den Wunsch verspüren, ihnen nah zu sein, führt uns dieser Weg meist in die Welt des Reitens – in Sportarten, die auf dem Rücken dieser Tiere ausgetragen werden.
Nur selten steht dabei ihr Wohl im Mittelpunkt.
Angebote, in denen Kindern ein achtsames Zusammensein mit Pferden ermöglicht wird, sind noch jung.
Und selbst heute erscheint es vielen Eltern ungewohnt, für etwas zu bezahlen, bei dem ihre Kinder scheinbar nichts „tun“ oder „lernen“.
Meine Generation lernte auf Ponyhöfen und in Reitställen oft etwas anderes:
dass wir uns durchsetzen müssen.
Dass es den Ponys nichts ausmacht, wenn wir sie treten oder an ihnen ziehen.
Dass Härte dazugehört.
Und obwohl dieser leise kindliche Zweifel in vielen von uns nie ganz verschwunden ist, sind wir diesen Weg oft weitergegangen – einen Weg, der uns lehrte, diesen sensiblen und faszinierenden Geschöpfen unseren Willen aufzuzwingen.
Irgendwann reichte die bloße Gegenwart des Pferdes nicht mehr aus, um Liebe und Glück zu empfinden.
Ziele, Ideale und Bilder schoben sich zwischen uns und die Tiere.
Sie legten sich über die ursprüngliche Verbindung und machten es schwer – manchmal unmöglich –, im einfachen Sein mit ihnen Erfüllung zu finden.
Und doch gibt es einen Weg zurück.
Er beginnt dort, wo wir bereit sind, das loszulassen, was sich zwischen uns und die Pferde gestellt hat – all die Vorstellungen, Erwartungen und Rollenbilder, für die das Pferd vielleicht längst nur noch als Symbol dient.
Unsere Pferde sind noch da.
Unverändert in ihrem Wesen.
Unmittelbar in ihrer Präsenz.
Und vielleicht ist es genau diese Präsenz, die uns erinnern kann.
Ich wünsche es euch und euren Pferden von Herzen,
dass ihr dieses Gefühl wiederfindet –
jenes Gefühl, das euch einst den Weg zu den Pferden gezeigt hat.
Und vielleicht von unseren Pferden den Weg zurück zeigen zu lassen –
zu einem Gefühl, das wir einmal ganz selbstverständlich kannten.